Verlobung im Zeichen der Inklusion.

Erstellt am:15.7.2020

Ein ausgefülltes Leben führen, an der Gesellschaft teilhaben oder eine Partnerschaft pflegen – was für viele selbstverständlich ist, kann für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zur Herausforderung werden. Wie wichtig jedoch Gleichstellung tatsächlich ist, zeigt sich am Beispiel von Brigitte und Erwin. Sie haben gestern – am Tag der Französischen Revolution – Verlobung gefeiert. Und auch wenn es für die beiden nur ein symbolischer Schritt ist, bleibt der Tag als bedeutender Meilenstein in Erinnerung.

Den Wunsch einen Lebenspartner oder einer Lebenspartnerin zu finden, haben fast alle Menschen. Ihn oder sie zu finden ist aber nicht so leicht. Gerade bei Partnerschaften zwischen Menschen mit geistiger Beeinträchtigung sind die gesellschaftliche Normen immer noch von Vorurteilen und Unsicherheiten geprägt. Dabei haben Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung das Recht auf Zugehörigkeit in allen Lebensstrukturen und Bereichen. Vor allem seit die Schweiz im Jahr 2014 die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ratifiziert hat. Diese Rechtsnorm stellt die Rahmenbedingungen auf, die es Menschen mit Behinderungen unter anderem erleichtern, möglichst selbstbestimmt am Leben der Gesellschaft teilzunehmen.   

Verliebt, verlobt …

Die Stiftung Waldheim legt hohen Wert darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen und mögliche Hürden überwinden können: «Auch wenn es beim Symbolgehalt bleibt», erklärt Jacqueline Eugster, Heimleiterin des Wohnheims Sonne in Rehetobel, «für die beiden ist dieser Schritt der Ausdruck einer gelebten Selbstbestimmung und Gleichstellung ihrer Partnerschaft. Deshalb war es von Anfang klar, dass wir ihr Vorhaben unterstützen. Leider konnten wir die ursprünglich geplante Feier aufgrund der aktuellen Gesundheitslage nicht wie vorgesehen durchführen», so Jacqueline Eugster. «Aber der Anfang ist gemacht, das war ja schliesslich erst die Verlobung.»