Die Stiftung Waldheim stellt den Betrieb am Standort Reithof Rüti in Grub (AR) per 31. Dezember 2026 ein. Mit diesem Entscheid enden der Arbeits- und Reitbetrieb sowie das damit verbundene Angebot der pferdegestützten Therapie. Sowohl für die betroffenen Klientinnen und Klienten als auch für die Fachmitarbeitenden werden individuelle Anschlusslösungen erarbeitet. Zur künftigen Nutzung des Standorts gibt es derzeit noch keinen Entscheid.
Der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung der Stiftung Waldheim haben gemeinsam beschlossen, den Betrieb am Standort Reithof Rüti in Grub (AR) per Ende 2026 einzustellen. Davon betroffen sind der Reitbetrieb, die Wohnplätze, das integrierte pferdegestützte Therapieangebot sowie die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Stiftung Waldheim hatte den Reithof per 1. Januar 2022 von der damaligen Stiftung Camenzind erworben und in ihre Organisation eingegliedert.
Dem Schliessungsentscheid ging eine vertiefte Analyse voraus. Diese zeigte, dass sich der Betrieb in seiner heutigen Form unter den aktuellen wirtschaftlichen, strukturellen, regulatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen nicht mehr verantwortungsvoll und nachhaltig weiterführen lässt. Gemeinsam mit den zuständigen Stellen des Kantons Appenzell Ausserrhoden hat die Stiftung Waldheim verschiedene Szenarien für eine Fortführung beurteilt. Keine der geprüften Optionen erwies sich jedoch als langfristig tragfähig.
Passende Anschlussmöglichkeiten
Im Mittelpunkt steht nun, für die im Reithof Rüti wohnenden und arbeitenden Menschen gute Anschlusslösungen zu finden. Am Standort Reithof Rüti arbeiten insgesamt 27 Fachkräfte sowie Klientinnen und Klienten, die ihrer Tätigkeit im Rahmen einer Tagesstruktur mit Lohn nachgehen.
Für die Klientinnen und Klienten wird die Stiftung Waldheim gemeinsam mit Angehörigen und Beiständen individuell abgestimmte Anschlusslösungen erarbeiten. Dabei kann sie auf das umfassende Wohn- und Tagesstrukturangebot ihrer fünf weiteren Standorte zurückgreifen. Die betroffenen Menschen werden auf diesem Weg persönlich und mit der nötigen Sorgfalt begleitet.
Auch für die Fachmitarbeitenden werden passende berufliche Perspektiven angestrebt. Ziel ist es, wenn immer möglich Anschlussmöglichkeiten innerhalb der eigenen Organisation zu schaffen und die Mitarbeitenden in den kommenden Monaten verantwortungsvoll und persönlich zu begleiten.
Für die 11 Pferde, die zum Reithof Rüti gehören, sucht die Stiftung Waldheim sorgfältig ausgewählte und tiergerechte Plätze. Auch diese Platzierungen werden im Sinne der speziell ausgebildeten Therapiepferde gewissenhaft und professionell gestaltet.
Vorgehen in enger Abstimmung mit den kantonalen Stellen
Die Stiftung Waldheim vollzieht den Entscheid zur Schliessung des Reithofs Rüti und die damit verbundenen nächsten Schritte in enger Abstimmung mit dem Amt für Soziales sowie mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Beide Behörden stehen hinter dem Entscheid und begleiten das geplante Vorgehen.
Zukunft des Standorts noch offen
Offen ist derzeit die künftige Nutzung des Standorts. Die Stiftung Waldheim prüft mögliche Optionen und legt sich zum jetzigen Zeitpunkt bewusst nicht fest. In diese Überlegungen fliessen insbesondere die raumplanerischen Vorgaben, der haushälterische Umgang mit den vorhandenen wirtschaftlichen Mitteln sowie die Vorgaben des Kantons als Aufsichtsinstanz ein.
«Wir sind uns der Tradition des Betriebs und der Tragweite dieses Entscheids bewusst», erklärt Waldheim-Geschäftsleiter Thomas Ackermann. «Der Reithof Rüti hat über die Jahre hinweg für viele Menschen eine besondere Bedeutung erlangt. Gerade deshalb fällt uns dieser Schritt nicht leicht. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Weiterführung des Betriebs unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich ist. Unser wichtigstes Anliegen ist nun, für die betroffenen Menschen gute und tragfähige Anschlusslösungen zu finden und sie in dieser Übergangsphase eng zu begleiten.»
Die Stiftung Waldheim – die Heimat für Menschen mit Handicap
1943 gegründet, ist die Stiftung Waldheim heute die Institution mit den meisten stationären Wohnheimplätzen für Menschen mit Beeinträchtigung in der Region Ostschweiz. Ihre sechs Wohnheime in Appenzell Ausserrhoden bieten rund 200 Erwachsenen eine Heimat auf Lebenszeit. Dazu gehören Menschen mit geistiger oder psychischer Beeinträchtigung, Menschen mit zusätzlicher körperlicher Beeinträchtigung oder Menschen mit Wahrnehmungsstörungen. Mit mehr als 350 Mitarbeitenden ist die nach modernen fachlichen und betrieblichen Konzepten geführte Stiftung eine der grossen Arbeitgeberinnen im Appenzeller Vorderland.
Reithof Rüti – Lebens- und Arbeitsraum für Menschen mit besonderen Bedürfnissen
Der Reithof ist ein zertifizierter und kantonal anerkannter Wohn- und Arbeitsstandort. Seit 1. Januar 2022 gehört der Standort zum Leistungsangebot der Stiftung Waldheim und ist in den entsprechenden Leistungsverträgen der Stiftung Waldheim integriert.
Seit der Gründung im Jahr 1985 reicht das Leistungsspektrum von geschützten Arbeitsplätzen über Wohnplätze bis hin zu einem attraktiven Ausbildungsangebot. Auf dem Hof bietet die Stiftung Waldheim 11 Arbeitsplätze, 6 Tagesstruktur-Plätze und 2 Plätze für berufliche Massnahmen in den Bereichen Pferde- und Landwirtschaft sowie im Haushalt an. Im Bereich «Wohnen» verfügt der Reithof über 13 bewilligte Plätze und 2 Wohnplätze für berufliche Massnahmen.
Neben der pferdegestützten Therapie bietet der Reithof auch konventionellen Reitunterricht für Kinder und Erwachsene, Kindernachmittage, verschiedene Themenkurse rund ums Pferd sowie das Sportprogramm «Special Olympics» in der Disziplin Reiten.