Wenn sich die Stimmung oder das Verhalten von Klientinnen und Klienten verändert, steckt meist mehr dahinter als ein einzelner Moment. Die neue Ausgabe der Heimatpost zeigt, warum es so wichtig ist, diese Signale früh wahrzunehmen und Menschen mit Aufmerksamkeit, Verständnis und fachlicher Kompetenz zu begleiten.
Im Mittelpunkt stehen Fragen, die im Alltag oft leise beginnen: Wie entstehen Veränderungen? Was brauchen Menschen in solchen Situationen? Und wie gelingt die Balance zwischen Nähe, Vertrauen und professioneller Begleitung? Fachpersonen der Stiftung Waldheim geben Einblicke in ihre tägliche Arbeit und zeigen auf, wie Sicherheit, Selbstbestimmung und Teilhabe gefördert werden.
Ausserdem blicken wir auf unseren besonderen Auftritt an der Generalversammlung der St.Galler Kantonalbank zurück. Dort entstanden zahlreiche Begegnungen auf Augenhöhe, die eindrücklich zeigten, wie selbstverständlich Inklusion gelebt werden kann, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Viel Freude beim Lesen der neuen Heimatpost mit Einblicken in den Waldheim-Alltag, aktuellen Fachthemen und besonderen Momenten des Miteinanders.
Hier geht es zur ersten Jahresausgabe der Heimatpost.
Anlässlich unseres jährlichen Klientenfestes feierte der neue Waldheim-Song «Mänsch si» seine Premiere. Das Lied stammt aus der Feder von Stee und Co Gfeller (ZiBBZ) und bringt die Werte der Stiftung Waldheim musikalisch zum Ausdruck: Gemeinschaft, Vielfalt, Zusammenhalt und gelebte Teilhabe.
Die Begeisterung im Publikum war von der ersten Minute an spürbar. Es wurde mitgesungen, getanzt und gefeiert. Die Freude und Begeisterung der Klientinnen und Klienten zeigte eindrücklich, dass «Mänsch si» dort angekommen ist, wo er hingehört, nämlich mitten in der Waldheim-Familie.
Ein herzlicher Dank gilt der hochkarätigen Live-Band für die inspirierende Zusammenarbeit und die mitreissende Performance. Wer die heimatlichen Klänge von «Mänsch si» in der Originalstudioversion hören oder auf seine Playlist setzen möchte, findet den Song auf YouTube, Spotify und Apple Music.
Die Stiftung Waldheim stellt den Betrieb am Standort Reithof Rüti in Grub (AR) per 31. Dezember 2026 ein. Mit diesem Entscheid enden der Arbeits- und Reitbetrieb sowie das damit verbundene Angebot der pferdegestützten Therapie. Sowohl für die betroffenen Klientinnen und Klienten als auch für die Fachmitarbeitenden werden individuelle Anschlusslösungen erarbeitet. Zur künftigen Nutzung des Standorts gibt es derzeit noch keinen Entscheid.
Der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung der Stiftung Waldheim haben gemeinsam beschlossen, den Betrieb am Standort Reithof Rüti in Grub (AR) per Ende 2026 einzustellen. Davon betroffen sind der Reitbetrieb, die Wohnplätze, das integrierte pferdegestützte Therapieangebot sowie die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Die Stiftung Waldheim hatte den Reithof per 1. Januar 2022 von der damaligen Stiftung Camenzind erworben und in ihre Organisation eingegliedert.
Dem Schliessungsentscheid ging eine vertiefte Analyse voraus. Diese zeigte, dass sich der Betrieb in seiner heutigen Form unter den aktuellen wirtschaftlichen, strukturellen, regulatorischen und sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen nicht mehr verantwortungsvoll und nachhaltig weiterführen lässt. Gemeinsam mit den zuständigen Stellen des Kantons Appenzell Ausserrhoden hat die Stiftung Waldheim verschiedene Szenarien für eine Fortführung beurteilt. Keine der geprüften Optionen erwies sich jedoch als langfristig tragfähig.
Passende Anschlussmöglichkeiten
Im Mittelpunkt steht nun, für die im Reithof Rüti wohnenden und arbeitenden Menschen gute Anschlusslösungen zu finden. Am Standort Reithof Rüti arbeiten insgesamt 27 Fachkräfte sowie Klientinnen und Klienten, die ihrer Tätigkeit im Rahmen einer Tagesstruktur mit Lohn nachgehen.
Für die Klientinnen und Klienten wird die Stiftung Waldheim gemeinsam mit Angehörigen und Beiständen individuell abgestimmte Anschlusslösungen erarbeiten. Dabei kann sie auf das umfassende Wohn- und Tagesstrukturangebot ihrer fünf weiteren Standorte zurückgreifen. Die betroffenen Menschen werden auf diesem Weg persönlich und mit der nötigen Sorgfalt begleitet.
Auch für die Fachmitarbeitenden werden passende berufliche Perspektiven angestrebt. Ziel ist es, wenn immer möglich Anschlussmöglichkeiten innerhalb der eigenen Organisation zu schaffen und die Mitarbeitenden in den kommenden Monaten verantwortungsvoll und persönlich zu begleiten.
Für die 11 Pferde, die zum Reithof Rüti gehören, sucht die Stiftung Waldheim sorgfältig ausgewählte und tiergerechte Plätze. Auch diese Platzierungen werden im Sinne der speziell ausgebildeten Therapiepferde gewissenhaft und professionell gestaltet.
Vorgehen in enger Abstimmung mit den kantonalen Stellen
Die Stiftung Waldheim vollzieht den Entscheid zur Schliessung des Reithofs Rüti und die damit verbundenen nächsten Schritte in enger Abstimmung mit dem Amt für Soziales sowie mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Beide Behörden stehen hinter dem Entscheid und begleiten das geplante Vorgehen.
Zukunft des Standorts noch offen
Offen ist derzeit die künftige Nutzung des Standorts. Die Stiftung Waldheim prüft mögliche Optionen und legt sich zum jetzigen Zeitpunkt bewusst nicht fest. In diese Überlegungen fliessen insbesondere die raumplanerischen Vorgaben, der haushälterische Umgang mit den vorhandenen wirtschaftlichen Mitteln sowie die Vorgaben des Kantons als Aufsichtsinstanz ein.
«Wir sind uns der Tradition des Betriebs und der Tragweite dieses Entscheids bewusst», erklärt Waldheim-Geschäftsleiter Thomas Ackermann. «Der Reithof Rüti hat über die Jahre hinweg für viele Menschen eine besondere Bedeutung erlangt. Gerade deshalb fällt uns dieser Schritt nicht leicht. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass eine verantwortungsvolle, zukunftsorientierte Weiterführung des Betriebs unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich ist. Unser wichtigstes Anliegen ist nun, für die betroffenen Menschen gute und tragfähige Anschlusslösungen zu finden und sie in dieser Übergangsphase eng zu begleiten.»
Im Wohnhaus Sonne in Rehetobel ist mit «Sunnä Klatsch» ein ganz besonderes Projekt entstanden: ein Magazin, das vollständig von Klientinnen und Klienten mitgestaltet wurde. Die Idee dazu entstand im Rahmen einer Weiterbildung unserer Mitarbeiterin Ronja. Gemeinsam mit Elmar, Manuela und Yanic entwickelte sie ein Heft, das zeigt, was echte Mitbestimmung bedeutet.
Von der Themenwahl über die Inhalte bis hin zur Gestaltung lag alles in den Händen der Beteiligten. So brachten Elmar, Manuela und Yanic eigene Rezepte ein, die mithilfe von Piktogrammen so aufbereitet wurden, dass sie einfach verständlich und gut nachzumachen sind. Ergänzt wird das Magazin durch persönliche Musikwünsche und Ausflugsideen, die über QR-Codes direkt erlebbar gemacht werden.
Auch kreative Beiträge finden ihren Platz: Elmar führte ein Interview mit einem Landwirt aus Rehetobel, Manuela gestaltete eine eindrückliche Manga-Collage und Yanic malte das farbenfrohe Titelbild. Weitere Zeichnungen und Bilder von Klientinnen und Klienten runden das Magazin ab.
«Sunnä Klatsch» ist mehr als ein Heft – es ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie Inklusion und Teilhabe im Alltag gelebt werden können. Das Projekt zeigt, wie wertvoll es ist, wenn Menschen ihre Ideen einbringen und aktiv mitgestalten können.
Das vollständige Magazin steht hier zum Durchblättern und Entdecken bereit.
Freuen Sie sich auf aktuelle Einblicke, spannende Fachthemen und besondere Begegnungen.
Am traditionellen Klientenfest wurde erstmals der neue Waldheim-Song präsentiert.
Die Stiftung Waldheim stellt den Betrieb am Standort Reithof Rüti in Grub (AR) per 31. Dezember 2026 ein.
Ein Magazin von Klientinnen und Klienten der Stiftung Waldheim – gemeinsam entwickelt, gestaltet und mit Leben gefüllt.
Reto Moggi tritt nach fast 20 Jahren zurück, neu verstärkt Andreas Tenger den Stiftungsrat.
Reto Moggi blickt zurück auf zwei Jahrzehnte engagierter Tätigkeit im Stiftungsrat der Stiftung Waldheim.
Wir sprechen mit Dr. phil. Annika Lang über die Erfüllung besonderer Wünsche von Menschen mit Beeinträchtigung.
Zum 30-jährigen Jubiläum haben wir mit Elmar Berchtel über seine Zeit bei der Stiftung Waldheim gesprochen.
Schauen Sie gemeinsam mit uns zurück auf den Tag der offenen Tür im Wohnhaus Sonne in Rehetobel.
Nach fast zwei Jahrzehnten engagierter Arbeit tritt Reto Moggi aus dem Stiftungsrat der Stiftung Waldheim zurück. Neu nimmt seit Januar 2026 Andreas Tenger aus Herisau im Stiftungsrat Einsitz. Er bringt langjährige Führungs- und Projekterfahrung aus dem Ingenieurwesen mit und wird sich im Ressort Bau und Infrastruktur ebenso einbringen wie in der nachhaltigen Weiterentwicklung der Stiftung Waldheim.
Die Stiftung Waldheim informiert über eine Veränderung im Stiftungsrat: Nach nahezu 20 Jahren ehrenamtlichen Wirkens, davon neun Jahre als Vize-Präsident, übergibt Reto Moggi sein Amt in jüngere Hände. Der Stiftungsrat dankt ihm für sein langjähriges, verlässliches Engagement und die prägende Mitgestaltung in wichtigen Entwicklungsphasen der Stiftung.
Auf den Bauprofi folgt ein Bauprofi
Als Nachfolger hat der Stiftungsrat den aus Herisau stammenden Baufachmann Andreas Tenger gewählt. Der diplomierte Bauingenieur HTL ist seit 16 Jahren bei Wälli Ingenieure Herisau tätig und führt das Unternehmen seit fünf Jahren als CEO. Im Stiftungsrat übernimmt er das Ressort Bau und Infrastruktur und bringt darüber hinaus seine Führungs- und Projekterfahrung in die strategische Ausrichtung der Stiftung Waldheim ein.
«Mich hat überzeugt, wie klar die Stiftung Waldheim ihre Verantwortung lebt gegenüber den Klientinnen und Klienten, den Mitarbeitenden und nicht zuletzt auch der Region. Ich möchte mich einbringen, damit die Stiftung auch künftig gut aufgestellt ist: in der Substanz ihrer Gebäude, aber vor allem in ihren Entscheidungen und ihrer langfristigen Entwicklung. Ich freue mich auf meine Tätigkeit im Stiftungsrat und darauf, die strategischen Fragen rund um das Leben und Arbeiten in der Stiftung Waldheim mitzugestalten», sagt Andreas Tenger über seine Wahl.
Kontinuität mit regionaler Verankerung
Stiftungsratspräsidentin Marianne Koller-Bohl, ehemalige Frau Landammann des Kantons Appenzell Ausserrhoden, betont: «Mein grosser Dank gilt zunächst Reto Moggi. Er hat die Stiftung Waldheim während fast zwei Jahrzehnten mit grosser Verlässlichkeit, ruhiger Klarheit und wertvollem Wissen geprägt. Sein Mitwirken und seine Präsenz haben Spuren hinterlassen, fachlich wie menschlich. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir mit Andreas Tenger die passende Person gefunden haben und die Lücke, die Reto Moggi hinterlässt, hervorragend füllen können», so Marianne Koller-Bohl. «Er verbindet technisches Know-how mit Führungserfahrung und dem Blick fürs Ganze. Gerade bei Bau- und Infrastrukturthemen ist das entscheidend, denn solche Projekte sind nie Selbstzweck, sondern Teil einer verantwortungsvollen Gesamtstrategie. Zudem ist Andreas Tenger stark in der Region verwurzelt und kennt die lokalen Gegebenheiten aus nächster Nähe. Der gesamte Stiftungsrat freut sich sehr auf die Zusammenarbeit mit unserem neuen Stiftungsratsmitglied.»
Es gibt Persönlichkeiten, die nicht laut auftreten müssen, um Spuren zu hinterlassen. Reto Moggi gehört zu diesen Menschen. Fast zwei Jahrzehnte lang hat er im Stiftungsrat der Stiftung Waldheim Verantwortung getragen, mit einem besonderen Blick für Infrastruktur, Bauprojekte – und für all das, was Räume zu einer Heimat macht. Wir treffen ihn zum Gespräch über Wandel, Weitblick und Momente, die hängen bleiben.
Reto, du blickst auf fast zwei Jahrzehnte im Stiftungsrat zurück: Welche Begegnungen oder Erlebnisse bleiben dir als besonders prägend in Erinnerung?
«Es waren immer die Begegnungen, die mir am meisten geblieben sind – Momente, in denen man spürt, dass unsere Arbeit Wirkung hat. Wenn Klientinnen und Klienten voller Stolz ihr neues Zimmer zeigen oder Mitarbeitende erzählen, wie sehr eine bauliche Anpassung ihren Alltag erleichtert hat, dann weiss man: Infrastruktur ist nicht nur Beton und Technik. Diese Rückmeldungen, oft ganz beiläufig, waren für mich prägende Erlebnisse.
Gleichzeitig war es mir immer wichtig, eine kluge Balance zwischen Ästhetik und Funktionalität zu finden. Architektinnen und Architekten bringen naturgemäss gerne gestalterische Ideen ein, was durchaus positiv sein kann. Meine Rolle war oft, ausgleichend zu wirken, die Funktionalität zu stärken und auch die finanziellen Aspekte im Blick zu behalten. Denn wir bewegen uns stets im Spannungsfeld zwischen der Schaffung eines qualitativ hochwertigen Lebensraumes und einem verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Mitteln.Gerade bei der Aussengestaltung habe ich oft dafür plädiert, eher zurückhaltend zu planen: lieber das Notwendige umsetzen, dann Erfahrungen sammeln und erst danach gezielte Optimierungen vornehmen. Dieser Ansatz hat sich bewährt: Er schafft Raum für Entwicklung, ohne das Budget unnötig zu belasten.»
Du warst mehrheitlich für alle Belange im Bereich Infrastruktur und Bauprojekte zuständig. Welche baulichen Meilensteine stehen für dich stellvertretend für die Entwicklung der Stiftung?
«Für mich steht die Professionalisierung der Bauprozesse ganz oben. Zu Beginn war vieles von guter Intuition und Herzblut getragen, doch in den letzten Jahren hat sich daraus ein systematisches, nachhaltiges Vorgehen entwickelt.
Ein Schlüsselmoment war für mich die bauliche Endphase des Wohnheims Schönenbüel, gleich zu Beginn meines Engagements vor fast 20 Jahren. Dort wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, dass die Sicht und die Bedürfnisse der Stiftung konsequent in die Planung und Umsetzung einfliessen. Viele zentrale Aspekte lagen damals in den Händen externer Projektpartner. Diese Tatsache hat mir gezeigt: Ein Bauprojekt muss in erster Linie intern geführt werden, damit wirklich alles zusammenpasst.
Diese Erkenntnis hat sich später bei den Neubauten der Wohnheime Krone und Sonne als enorm wertvoll erwiesen. Auch wenn es bedeutete, dass ich mich plötzlich um unzählige kleine Details kümmern musste, hat es die Projekte letztlich verbessert. Um die verschiedenen Perspektiven zusammenzubringen, haben wir für grössere Bauvorhaben jeweils eine Baukommission mit internen Fachbereichen etabliert. So konnten die Anforderungen, Anliegen sowie das Fachwissen gebündelt und in einen tragfähigen Konsens zusammengeführt werden.Und es gab laufend Lerneffekte. Ich stellte früh fest, dass Lösungen, die in privaten Neubauten perfekt funktionieren, für ein Wohnhaus mit Pflege- und Betreuungsaufgaben schlicht nicht passen. Dazu gehört auch die Integration von technischen Innovationen, die nicht immer auf den ersten Blick geläufig sind, den Betrieb aber spürbar verbessern.»
Wie würdest du die Transformation der Stiftung in den letzten 20 Jahren beschreiben?
«Man muss heute unternehmerischer denken als noch vor 20 Jahren – das ist für mich eine der deutlichsten Entwicklungen. Der Handlungsrahmen ist komplexer geworden, die Erwartungen an Professionalität und Transparenz sind gestiegen. Gleichzeitig hat auch die Aufsicht durch den Kanton zugenommen, was grundsätzlich sinnvoll ist, aber natürlich zusätzliche Anforderungen mit sich bringt. Und nicht zuletzt schaut auch die Öffentlichkeit genauer hin, wie wir arbeiten, welche Entscheidungen wir treffen und wofür wir unsere Mittel einsetzen.
All das führt dazu, dass wir mehr denn je sinnvoll, nachhaltig und wirtschaftlich agieren müssen. Es reicht nicht, ein Projekt einfach gut umzusetzen. Gefragt sind solide Begründungen, nachvollziehbare Konzepte und eine sorgfältige Priorisierung.
Dennoch darf bei all diesen Überlegungen eines nie aus dem Blick geraten: das Wohlergehen der Klientinnen und Klienten. Sie sind der Kern jeder Entscheidung. Wenn es gelingt, unternehmerische Weitsicht, fachliche Verantwortung und echte Menschlichkeit zu verbinden, dann ist die Stiftung für die Zukunft bestens aufgestellt.»
Wie wichtig sind unterschiedliche Perspektiven im Stiftungsrat?
«Die Kompetenzvielfalt im Stiftungsrat ist eine echte Bereicherung. Unterschiedliche Perspektiven bringen neue Blickwinkel, andere Erfahrungen und manchmal auch überraschende Fragen an den Tisch. Genau das braucht es, wenn man Verantwortung für Menschen trägt, deren Lebensrealität vielfältig ist. Ich habe immer geschätzt, dass wir im Gremium offen und respektvoll diskutieren konnten. So entstehen Entscheidungen, die ausgewogen, durchdacht und im besten Sinne inklusiv sind. Davon profitieren letztlich nicht wir, sondern die Menschen, für die wir arbeiten.
Gleichzeitig ist klar: Als Stiftungsrat trägt man grundsätzlich für «alles» Verantwortung, auch wenn jeder seinen eigenen Schwerpunkt hat. Wichtig ist, dass man sich auf die Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen verlassen kann. Das war in all diesen Jahren stets der Fall. Das Wissen, dass jede Kollegin und jeder Kollege aus dem Stiftungsrat absolut sattelfest in seinem persönlichen Dossier ist, war für mich entscheidend. In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass wir mit Andreas Tenger sowohl fachlich als auch menschlich eine ideale Nachfolge für mich gefunden haben.»
Gab es ein Projekt, das dich persönlich besonders herausgefordert oder geprägt hat?
«Nun, jedes grössere Projekt hat seine eigene Dramaturgie.Eines, das mich besonders gefordert hat, war der Neubau des Wohnheims Sonne, bei dem wir unter laufendem Betrieb arbeiten mussten.
Während des Rückbaus des alten Gebäudes und des Neubaus waren die Klientinnen und Klienten in zwei zeitlich befristeten Provisorien in Heiden untergebracht. Das brachte einen Balanceakt zwischen Sicherheit, Alltagstauglichkeit und Zeitplan mit sich. Aber es war auch absolut bereichernd: Wir konnten sehr direkt erleben, wie wichtig gute Planung und ein kompetentes Fachteam sind. Und am Ende zu sehen, wie die Klientinnen und Klienten die neuen Räume oder das Therapiebad in Besitz nahmen, das war schon toll.»
Was hat dich persönlich motiviert, dich über so viele Jahre hinweg zu engagieren?
«Ich bin dabeigeblieben, weil ich das Gefühl hatte, dass ich etwas beitragen kann. Die Stiftung ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur betreut, sondern wirklich begleitet werden – ein Ort, der Heimat schafft. Daran mitzuwirken, gerade über den Bereich Infrastruktur, hat mir immer Sinn und Freude gegeben.
Gleichzeitig hatte ich beruflich das Glück, auf eine starke Ausgangslage bauen zu können und viel erreichen zu dürfen. Irgendwann wächst daraus ganz automatisch der Wunsch, etwas zurückzugeben. Etwas, das man selbst erfahren hat, in eine Aufgabe einzubringen, die grösser ist als man selbst. Die Zusammenarbeit mit so vielen engagierten Menschen war dabei inspirierend, motivierend, lehrreich und oft auch einfach sehr schön für mich. Dieses gemeinsame Wirken hat mich über all die Jahre getragen.»
Und Hand aufs Herz: Gibt es eine humorvolle Anekdote aus deiner Stiftungsratszeit, die du mit uns teilen möchtest?
«Humor war im Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen immer ein wichtiger Begleiter. Er hat vieles leichter gemacht und oft dafür gesorgt, dass auch anspruchsvolle Themen ein menschliches Gesicht bekamen. Eine besondere Anekdote verbinde ich mit Erwin vom Gründerhaus. Während der Bauphase des Wohnheims Sonne brachte ich ihm regelmässig neue Baupläne vorbei, und er studierte sie mit einer Begeisterung, als würde er selbst am Reissbrett stehen. Mit der Zeit wurde er zu meinem inoffiziellen «Hilfsbauleiter» und fragte mich jedes Mal neugierig nach den neuesten Plänen, sobald ich vor Ort auftauchte. Diese Momente waren für uns beide herrlich.
Und dann denke ich gerne an Hanspeter Trümpler zurück, der es mit seinem Charme immer wieder schaffte, den Leuten Kugelschreiber zu entlocken. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass Schreibutensilien eine Art Währung waren. Es war jedes Mal eine Freude, ihn mit den neuesten Stiften zu versorgen und seinen Stolz über die neueste Errungenschaft zu sehen.»
Welche Wünsche gibst du den Mitarbeitenden und der Stiftung auf ihrem weiteren Weg mit?
«Ich wünsche der Stiftung, dass sie ihren Kern bewahrt: den Blick fürs Wesentliche, den Mut, sich weiterzuentwickeln und das Herz für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Den Mitarbeitenden wünsche ich Leichtigkeit im Alltag, Freude an ihrer wichtigen Aufgabe und die Gewissheit, dass ihr Engagement einen grossen Mehrwert generiert. Wenn die Stiftung diesen Geist weiterträgt, bleibt sie für die Menschen das, was sie seit über 80 Jahren ist: eine liebevolle Heimat.»
Persönliches und beruflicher Hintergrund
Reto Moggi ist diplomierter Bau- und Umweltingenieur und ausgebildeter Mediator. Über 30 Jahre war er Inhaber und Geschäftsleiter eines Ingenieurunternehmens. Politisch aktiv war er von 1996 bis 2005 als Mitglied des Kantonsrates von Appenzell Ausserrhoden.
Rolle bei der Stiftung Waldheim
Seit Juni 2006 war er Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Waldheim und dabei unter anderem zuständig für die Bereiche «Bauliche Infrastruktur» und «Finanzen». Von 2016 bis 2025 fungierte er als Vizepräsident des Stiftungsrates.