Es gibt Persönlichkeiten, die nicht laut auftreten müssen, um Spuren zu hinterlassen. Reto Moggi gehört zu diesen Menschen. Fast zwei Jahrzehnte lang hat er im Stiftungsrat der Stiftung Waldheim Verantwortung getragen, mit einem besonderen Blick für Infrastruktur, Bauprojekte – und für all das, was Räume zu einer Heimat macht. Wir treffen ihn zum Gespräch über Wandel, Weitblick und Momente, die hängen bleiben.
Reto, du blickst auf fast zwei Jahrzehnte im Stiftungsrat zurück: Welche Begegnungen oder Erlebnisse bleiben dir als besonders prägend in Erinnerung?
«Es waren immer die Begegnungen, die mir am meisten geblieben sind – Momente, in denen man spürt, dass unsere Arbeit Wirkung hat. Wenn Klientinnen und Klienten voller Stolz ihr neues Zimmer zeigen oder Mitarbeitende erzählen, wie sehr eine bauliche Anpassung ihren Alltag erleichtert hat, dann weiss man: Infrastruktur ist nicht nur Beton und Technik. Diese Rückmeldungen, oft ganz beiläufig, waren für mich prägende Erlebnisse.
Gleichzeitig war es mir immer wichtig, eine kluge Balance zwischen Ästhetik und Funktionalität zu finden. Architektinnen und Architekten bringen naturgemäss gerne gestalterische Ideen ein, was durchaus positiv sein kann. Meine Rolle war oft, ausgleichend zu wirken, die Funktionalität zu stärken und auch die finanziellen Aspekte im Blick zu behalten. Denn wir bewegen uns stets im Spannungsfeld zwischen der Schaffung eines qualitativ hochwertigen Lebensraumes und einem verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Mitteln.Gerade bei der Aussengestaltung habe ich oft dafür plädiert, eher zurückhaltend zu planen: lieber das Notwendige umsetzen, dann Erfahrungen sammeln und erst danach gezielte Optimierungen vornehmen. Dieser Ansatz hat sich bewährt: Er schafft Raum für Entwicklung, ohne das Budget unnötig zu belasten.»
Du warst mehrheitlich für alle Belange im Bereich Infrastruktur und Bauprojekte zuständig. Welche baulichen Meilensteine stehen für dich stellvertretend für die Entwicklung der Stiftung?
«Für mich steht die Professionalisierung der Bauprozesse ganz oben. Zu Beginn war vieles von guter Intuition und Herzblut getragen, doch in den letzten Jahren hat sich daraus ein systematisches, nachhaltiges Vorgehen entwickelt.
Ein Schlüsselmoment war für mich die bauliche Endphase des Wohnheims Schönenbüel, gleich zu Beginn meines Engagements vor fast 20 Jahren. Dort wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, dass die Sicht und die Bedürfnisse der Stiftung konsequent in die Planung und Umsetzung einfliessen. Viele zentrale Aspekte lagen damals in den Händen externer Projektpartner. Diese Tatsache hat mir gezeigt: Ein Bauprojekt muss in erster Linie intern geführt werden, damit wirklich alles zusammenpasst.
Diese Erkenntnis hat sich später bei den Neubauten der Wohnheime Krone und Sonne als enorm wertvoll erwiesen. Auch wenn es bedeutete, dass ich mich plötzlich um unzählige kleine Details kümmern musste, hat es die Projekte letztlich verbessert. Um die verschiedenen Perspektiven zusammenzubringen, haben wir für grössere Bauvorhaben jeweils eine Baukommission mit internen Fachbereichen etabliert. So konnten die Anforderungen, Anliegen sowie das Fachwissen gebündelt und in einen tragfähigen Konsens zusammengeführt werden.Und es gab laufend Lerneffekte. Ich stellte früh fest, dass Lösungen, die in privaten Neubauten perfekt funktionieren, für ein Wohnhaus mit Pflege- und Betreuungsaufgaben schlicht nicht passen. Dazu gehört auch die Integration von technischen Innovationen, die nicht immer auf den ersten Blick geläufig sind, den Betrieb aber spürbar verbessern.»
Wie würdest du die Transformation der Stiftung in den letzten 20 Jahren beschreiben?
«Man muss heute unternehmerischer denken als noch vor 20 Jahren – das ist für mich eine der deutlichsten Entwicklungen. Der Handlungsrahmen ist komplexer geworden, die Erwartungen an Professionalität und Transparenz sind gestiegen. Gleichzeitig hat auch die Aufsicht durch den Kanton zugenommen, was grundsätzlich sinnvoll ist, aber natürlich zusätzliche Anforderungen mit sich bringt. Und nicht zuletzt schaut auch die Öffentlichkeit genauer hin, wie wir arbeiten, welche Entscheidungen wir treffen und wofür wir unsere Mittel einsetzen.
All das führt dazu, dass wir mehr denn je sinnvoll, nachhaltig und wirtschaftlich agieren müssen. Es reicht nicht, ein Projekt einfach gut umzusetzen. Gefragt sind solide Begründungen, nachvollziehbare Konzepte und eine sorgfältige Priorisierung.
Dennoch darf bei all diesen Überlegungen eines nie aus dem Blick geraten: das Wohlergehen der Klientinnen und Klienten. Sie sind der Kern jeder Entscheidung. Wenn es gelingt, unternehmerische Weitsicht, fachliche Verantwortung und echte Menschlichkeit zu verbinden, dann ist die Stiftung für die Zukunft bestens aufgestellt.»
Wie wichtig sind unterschiedliche Perspektiven im Stiftungsrat?
«Die Kompetenzvielfalt im Stiftungsrat ist eine echte Bereicherung. Unterschiedliche Perspektiven bringen neue Blickwinkel, andere Erfahrungen und manchmal auch überraschende Fragen an den Tisch. Genau das braucht es, wenn man Verantwortung für Menschen trägt, deren Lebensrealität vielfältig ist. Ich habe immer geschätzt, dass wir im Gremium offen und respektvoll diskutieren konnten. So entstehen Entscheidungen, die ausgewogen, durchdacht und im besten Sinne inklusiv sind. Davon profitieren letztlich nicht wir, sondern die Menschen, für die wir arbeiten.
Gleichzeitig ist klar: Als Stiftungsrat trägt man grundsätzlich für «alles» Verantwortung, auch wenn jeder seinen eigenen Schwerpunkt hat. Wichtig ist, dass man sich auf die Kompetenz der Kolleginnen und Kollegen verlassen kann. Das war in all diesen Jahren stets der Fall. Das Wissen, dass jede Kollegin und jeder Kollege aus dem Stiftungsrat absolut sattelfest in seinem persönlichen Dossier ist, war für mich entscheidend. In diesem Zusammenhang freut es mich besonders, dass wir mit Andreas Tenger sowohl fachlich als auch menschlich eine ideale Nachfolge für mich gefunden haben.»
Gab es ein Projekt, das dich persönlich besonders herausgefordert oder geprägt hat?
«Nun, jedes grössere Projekt hat seine eigene Dramaturgie.Eines, das mich besonders gefordert hat, war der Neubau des Wohnheims Sonne, bei dem wir unter laufendem Betrieb arbeiten mussten.
Während des Rückbaus des alten Gebäudes und des Neubaus waren die Klientinnen und Klienten in zwei zeitlich befristeten Provisorien in Heiden untergebracht. Das brachte einen Balanceakt zwischen Sicherheit, Alltagstauglichkeit und Zeitplan mit sich. Aber es war auch absolut bereichernd: Wir konnten sehr direkt erleben, wie wichtig gute Planung und ein kompetentes Fachteam sind. Und am Ende zu sehen, wie die Klientinnen und Klienten die neuen Räume oder das Therapiebad in Besitz nahmen, das war schon toll.»
Was hat dich persönlich motiviert, dich über so viele Jahre hinweg zu engagieren?
«Ich bin dabeigeblieben, weil ich das Gefühl hatte, dass ich etwas beitragen kann. Die Stiftung ist ein Ort, an dem Menschen nicht nur betreut, sondern wirklich begleitet werden – ein Ort, der Heimat schafft. Daran mitzuwirken, gerade über den Bereich Infrastruktur, hat mir immer Sinn und Freude gegeben.
Gleichzeitig hatte ich beruflich das Glück, auf eine starke Ausgangslage bauen zu können und viel erreichen zu dürfen. Irgendwann wächst daraus ganz automatisch der Wunsch, etwas zurückzugeben. Etwas, das man selbst erfahren hat, in eine Aufgabe einzubringen, die grösser ist als man selbst. Die Zusammenarbeit mit so vielen engagierten Menschen war dabei inspirierend, motivierend, lehrreich und oft auch einfach sehr schön für mich. Dieses gemeinsame Wirken hat mich über all die Jahre getragen.»
Und Hand aufs Herz: Gibt es eine humorvolle Anekdote aus deiner Stiftungsratszeit, die du mit uns teilen möchtest?
«Humor war im Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen immer ein wichtiger Begleiter. Er hat vieles leichter gemacht und oft dafür gesorgt, dass auch anspruchsvolle Themen ein menschliches Gesicht bekamen. Eine besondere Anekdote verbinde ich mit Erwin vom Gründerhaus. Während der Bauphase des Wohnheims Sonne brachte ich ihm regelmässig neue Baupläne vorbei, und er studierte sie mit einer Begeisterung, als würde er selbst am Reissbrett stehen. Mit der Zeit wurde er zu meinem inoffiziellen «Hilfsbauleiter» und fragte mich jedes Mal neugierig nach den neuesten Plänen, sobald ich vor Ort auftauchte. Diese Momente waren für uns beide herrlich.
Und dann denke ich gerne an Hanspeter Trümpler zurück, der es mit seinem Charme immer wieder schaffte, den Leuten Kugelschreiber zu entlocken. Bei ihm hatte ich das Gefühl, dass Schreibutensilien eine Art Währung waren. Es war jedes Mal eine Freude, ihn mit den neuesten Stiften zu versorgen und seinen Stolz über die neueste Errungenschaft zu sehen.»
Welche Wünsche gibst du den Mitarbeitenden und der Stiftung auf ihrem weiteren Weg mit?
«Ich wünsche der Stiftung, dass sie ihren Kern bewahrt: den Blick fürs Wesentliche, den Mut, sich weiterzuentwickeln und das Herz für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Den Mitarbeitenden wünsche ich Leichtigkeit im Alltag, Freude an ihrer wichtigen Aufgabe und die Gewissheit, dass ihr Engagement einen grossen Mehrwert generiert. Wenn die Stiftung diesen Geist weiterträgt, bleibt sie für die Menschen das, was sie seit über 80 Jahren ist: eine liebevolle Heimat.»
Persönliches und beruflicher Hintergrund
Reto Moggi ist diplomierter Bau- und Umweltingenieur und ausgebildeter Mediator. Über 30 Jahre war er Inhaber und Geschäftsleiter eines Ingenieurunternehmens. Politisch aktiv war er von 1996 bis 2005 als Mitglied des Kantonsrates von Appenzell Ausserrhoden.
Rolle bei der Stiftung Waldheim
Seit Juni 2006 war er Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Waldheim und dabei unter anderem zuständig für die Bereiche «Bauliche Infrastruktur» und «Finanzen». Von 2016 bis 2025 fungierte er als Vizepräsident des Stiftungsrates.
Dr. phil. Annika Lang ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München mit einem Lehrstuhl in Pädagogik bei Verhaltensstörungen und Autismus. In unserem Interview erläutert sie, weshalb die Erfüllung besonderer Wünsche von Menschen mit Beeinträchtigung zum fachlichen Auftrag einer Institution wie der Stiftung Waldheim gehören.
Warum spielt Freizeit eine so zentrale Rolle im Leben von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung?
«Menschen mit Behinderungen haben das Recht, ihre Freizeit selbstbestimmt zu gestalten und gleichberechtigt mit anderen an Freizeitaktivitäten teilzunehmen (Art. 30 UN-BRK).
Für Menschen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten ist Freizeit ein zentraler Raum für Selbstbestimmung, soziale Partizipation und Entspannungsmomente. Gerade bei herausforderndem Verhalten bieten Freizeitaktivitäten Möglichkeiten zur positiven Beziehungsgestaltung und zur Erfahrung von sozialer Zugehörigkeit.»
Welche Bedeutung hat Freizeit für die Klientinnen und Klienten und worauf kommt es ihnen besonders an?
«Für diesen Personenkreis bedeutet Freizeit Teilhabe und ein Plus an Lebensqualität. Besonders wichtig sind individuell passgenaue Angebote, die sich an den Bedürfnissen der einzelnen Personen orientieren. Der Personenkreis ist auf die Unterstützung von Assistenzpersonen angewiesen.
Ohne diese Unterstützung ist es diesem Personenkreis meist nicht möglich, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Erst durch eine bedarfsorientierte Unterstützung kann der Zugang zu Erfahrungsräumen eröffnet werden.»
Inwiefern kann Freizeitgestaltung die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben fördern und stärken?
«Freizeitgestaltung trägt zur Lebensqualität bei, indem sie Momente der Selbstwirksamkeit, des Wohlbefindens und der sozialen Eingebundenheit schafft. Für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung und herausforderndem Verhalten ist der Zugang zu ihrem sozialen Umfeld ausserhalb der Institution ein zentraler Faktor für Lebensqualität.
Studien zeigen, dass gerade Angebote ausserhalb des Wohnortes eine präventive Wirkung gegenüber herausforderndem Verhalten entfalten können.»
Welche Hürden oder Herausforderungen stehen Menschen mit Handicap bei der Freizeitgestaltung häufig im Weg?
«Menschen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung nehmen oft nur passiv an Aktivitäten teil. Der Bedarf an selbstbestimmten Freizeitmöglichkeiten in der Gemeinschaft ist hoch.
Die Teilnahme an Freizeitaktivitäten hängt stark von externen Faktoren ab. Dies sind insbesondere personelle Ressourcen, zielgruppenspezifische Qualifizierung der Betreuungspersonen sowie die barrierefreie Zugänglichkeit der Freizeitangebote.»
Nahaufnahme: ein akademisches Berufsleben im Zeichen der Inklusion.
Dr. phil. Annika Lang ist Wissenschaftlerin, Dozentin und Expertin für die Lebensqualität von Menschen mit Handicap. Nach Stationen in Deutschland, Australien, Tansania, Indien und den USA promovierte sie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München im Fach Sonderpädagogik.Ihre Forschungs- und Praxisschwerpunkte liegen in den Bereichen Teilhabe, Wohnen und Freizeit, insbesondere für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit an der LMU engagiert sie sich in Projekten zur Inklusion und Partizipation und ist Mitglied in internationalen Fachnetzwerken.Mit ihrer Arbeit verbindet sie fundierte Forschung mit praxisnahen Konzepten für die echte Teilhabe von Menschen mit Handicap.
Was Dr. Annika Lang in ihren Worten beschreibt, zeigt sich in den Erlebnissen unserer Klientinnen und Klienten auf ganz besondere Weise.
Wie tiefgreifend die Erfüllung eines Herzenswunsches sein kann, erzählen Alessio und Brigitte in zwei bewegenden Interviews. Dank des Traumtickets wurden ihre Wünsche Wirklichkeit – Momente voller Freiheit, Dankbarkeit und Lebensfreude.
Zu den Videoportraits von Alessio und Brigitte.
Seit 1995 ist Elmar Berchtel Teil der Stiftung Waldheim. Heute bringt er seine grosse Berufserfahrung in die Wohngruppe Venus im Wohnhaus Rehetobel ein. Über die Jahre hinweg hat er viele Entwicklungen begleitet und dabei die unterschiedlichsten Klientinnen und Klienten umsorgt und unterstützt. Anlässlich seines Jubiläums haben wir ihn zum Gespräch getroffen.
Wie startete dein Berufsweg bei der Stiftung Waldheim?
«Bevor ich zur Stiftung Waldheim kam, war ich acht Jahre lang als Lehrer tätig. Doch irgendwann merkte ich, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich war. In dieser Zeit lernte ich meine Frau kennen, die in Walzenhausen lebte.
Ihre Grossmutter brachte mich irgendwann auf die Idee, einmal bei derStiftung Waldheim vorbeizuschauen. Ich nahm mir zwei Wochen Zeit, umreinzuschauen und war von Anfang an beeindruckt. Besonders bewegt hatmich, wie die Klientinnen und Klienten die kleinen Gesten des Lebensgeschätzt haben, als wären es grosse Geschenke. Diese Erfahrung hat mich tief beeindruckt und meinen Entschluss gefestigt, hier ein neues berufliches Kapitel aufzuschlagen.»
Erinnerst du dich noch an deinen ersten Arbeitstag?
«An den allerersten Arbeitstag erinnere ich mich nicht mehr genau – aber sehr wohl an meinen ersten Einsatz. In unserer Wohngruppe lebte damals ein Mann im Rollstuhl, der sich kaum bewegen und nur mit einer einfachen Lautsprache kommunizieren konnte.Ich fragte mich, was er wohl überhaupt von der Aussenwelt mitbekam.
Eines Tages, als ich den Tisch fürs Essen deckte, fiel ein Trinkbecher zu Boden, und plötzlich lachte er laut los. In diesem Moment wurde mir klar: Er nimmt viel mehr wahr, als man auf den ersten Blick denkt. Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung verfügen nicht selten über eine grosse Feinfühligkeit, die oft unterschätzt wird.»
Worauf bist du in deiner Zeit bei uns besonders stolz?
«Stolz ist vielleicht nicht das richtige Wort – eher Freude und Dankbarkeit. In diesen 30 Jahren bei der Stiftung Waldheim gab es nie einen Unfall mit einem Klienten oder einer Klientin, und ich selbst war auch nie in einen verwickelt. Als gläubiger Mensch sehe ich es nicht nur als meine eigene Leistung, dass ich bislang davon verschont geblieben bin. Manchmal fühlt es sich an, als hätten wir in gewissen Momenten einen Schutzengel an der Seite.»
Was motiviert dich, auch nach 30 Jahren noch bei der Stiftung Waldheim zu arbeiten?
«Für mich ist das eine Art Geschenk. Die Arbeit mit den Klientinnen und Klienten macht mir jeden Tag viel Freude. Es ist etwas Besonderes zu erleben, wie man mit kleinen Dingen Grosses bewirken kann.
Positiv finde ich auch die Flexibilität innerhalb der Stiftung Waldheim: Wenn es für einen im Team oder auf der Wohngruppe einmal nicht mehr so passt, gibt es die Möglichkeit, die Gruppe oder sogar das Wohnhaus wechseln. So kann man bei der Arbeitgeberin bleiben und trotzdem neue Wege gehen. Das schätze ich sehr.Und nicht zuletzt empfinde ich auch den Jubiläumsurlaub als grosse Anerkennung. Alle fünf Jahre vier zusätzliche Ferienwochen zu erhalten, ist ein Zeichen der Wertschätzung. Insgesamt erlebe ich die Stiftung Waldheim als sehr verlässliche Arbeitgeberin, bei der ich mich bis heute wohlfühle.»
Gab es einen Moment im Alltag, der dir bis heute in Erinnerung geblieben ist?
«Einen einzigen klaren Moment könnte ich gar nicht nennen, dafür ist unsere Arbeit einfach zu vielseitig. Wir unterstützen die Klientinnen und Klienten nicht nur im Alltag, sondern dürfen sie auch in ganz unterschiedlichen Situationen begleiten: zur Reittherapie, auf gemeinsamen Spaziergängen, an besonderen Feiern und vieles mehr.
Ein besonderes Highlight für mich ist derzeit eine sommerliche Ausfahrt mit unseren E-TriBikes. Das mache ich unglaublich gerne, denn es macht sehr vielen Klientinnen oder Klienten grossen Spass. In solchen Momenten wird mir auch immer wieder bewusst, wie gross unser betreuerischer Freiraum ist, den wir individuell gestalten können – das macht unsere Arbeit so abwechslungsreich und erfüllend.Schön ist für mich auch, dass ich noch heute Klientinnen und Klienten treffe, die ich schon ganz am Anfang meiner Zeit bei der Stiftung betreut habe – wie zum Beispiel Antonietta Matarazzo, Maria Theres Zürcher oder Margot Alter. Solche Begegnungen zeigen mir, wie lange und vertrauensvoll die Beziehungen bei uns gepflegt werden.»
Was hat sich seit deinem Beginn am meisten verändert?
«Die grösste Veränderung war sicher die Digitalisierung. Als ich 1995 bei der Stiftung Waldheim anfing, hatten wir noch keine Computer – weder auf den Wohngruppen noch bei der Gruppenleitung. Um das Jahr 2000 wurden die ersten Computer eingeführt, und damit kam auch die Dokumentation. Bei dieser Umstellung habe ich viel mitgeholfen und einiges an Zeit investiert. Kurz darauf, 2001, folgten das Qualitätsmanagement und die regelmässigen Standortgespräche mit den Beiständen. Ich war dann ehrlich gesagt froh, als ich das Administrative wieder abgeben konnte, denn meine Leidenschaft gehört eindeutig dem täglichen Kontakt zu und der Verantwortung für Menschen.In der Begleitung der Klientinnen und Klienten hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert. Abgesehen von modernen Hilfsmitteln, wie beispielsweise den elektrischen Hebevorrichtungen. Eine andere wichtige Veränderung betrifft das Atelier: Als ich begann, war dort nur eine Mitarbeiterin mit einem kleinen Pensum tätig. Heute sorgt ein mehrköpfiges Team dafür, dass die Klientinnen und Klienten einer passenden und sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen können. Dadurch erfährt der Alltag eine klare und bedeutsame Trennung zwischen Wohnen und Arbeiten. Ich stelle immer fest, wie wichtig dies für viele Klientinnen und Klienten für ihr Selbstwertgefühl ist.»
Wenn du die Stiftung Waldheim in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
«Für mich ist die Stiftung Waldheim Heimat. Sie ist bodenständig und gleichzeitig offen, im Sinne von Weiterentwicklung.»
Hand aufs Herz: Wie fühlt es sich an, seit dreissig Jahren Teil der Stiftung Waldheim zu sein? Würdest du den Schritt jederzeit wieder machen?
«Ich bereue keinen Tag, denn ich habe mich an meinem Arbeitsplatz immer sehr wohlgefühlt. Und wenn es für mich irgendwann nicht mehr stimmte, konnte ich den Standort wechseln, genauso, wie ich das vorhin erwähnt habe. Nach acht Jahren in Rehetobel führte mich mein Weg für 13 Jahre nach Teufen. Heute bin ich wieder dort, wo alles begann: in Rehetobel. Ich war stets mit tollen Teams unterwegs und habe sehr gerne mit diesen Menschen zusammengearbeitet. Deshalb würde ich heute alles wieder genau gleich machen. Ich habe bei der Stiftung Waldheim auf meine Weise Karriere gemacht – nämlich dadurch, dass sich die mir anvertrauten Klientinnen und Klienten zuhause fühlen können und dass wir gemeinsam aus jedem Tag das Beste herausholen – in guten und in anspruchsvollen Zeiten.»
Worauf freust du dich in den kommenden Jahren?
Ich freue mich darauf, auch in den kommenden Jahren noch eine Stütze für mein Team und für die Klientinnen und Klienten auf meiner Gruppe zu sein. Natürlich merke ich, dass die Knochen nicht stärker werden, sondern eher ein wenig nachlassen. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass ich mein Pensum nach und nach ein wenig reduziere. Trotzdem empfinde ich es als schönes Arbeiten, wenn mit zunehmendem Dienstalter so nach und nach der Ruhestand am Horizont sichtbar wird und man gleichzeitig sagen darf: Ich konnte meinen Teil beitragen und dafür sorgen, dass die Klientinnen und Klienten bei der Stiftung Waldheim glücklich sind.
Wie fühlt es sich an, den Alltag einmal aus einer völlig neuen Perspektive zu erleben?Beim Tag der offenen Tür im Wohnhaus Sonne in Rehetobel lud die Stiftung Waldheim dazu ein, genau das auszuprobieren: Begegnungen auf Augenhöhe, Mitmach-Stationen mit Aha-Effekt und Einblicke in ein liebevolles Zuhause, das von Kompetenz, Lebensfreude und Zusammenhalt geprägt ist.
Kürzlich hat das Wohnhaus Sonne in Rehetobel zum Tag der offenen Tür eingeladen. Schon beim Ankommen spürte man die familiäre Atmosphäre: Musik im Hintergrund, feine Düfte aus der Grillstation und viele neugierige Gesichter, die Lust hatten, mehr über die Heimat für Menschen mit Handicap zu erfahren.
Begegnung auf AugenhöheIm Zentrum des Tages stand das echte Miteinander in Form von sich begegnen, verstehen und wahrnehmen. Besucherinnen und Besucher erlebten, wie Menschen mit geistiger, psychischer oder körperlicher Beeinträchtigung ihren Alltag gestalten und wie sie mit modernen Hilfsmitteln neue Wege der Kommunikation, Selbstbestimmung und Teilhabe finden. An interaktiven Stationen konnte man etwa ausprobieren, wie Unterstützte Kommunikation mit Symbolkarten, Fotos oder Sprachausgabegeräten funktioniert. So wurde spürbar, wie Technik Barrieren abbaut und Lebensqualität steigert.
Aha-Effekte zum AnfassenBesonders eindrücklich waren die eigens eingerichteten Wahrnehmungsposten: Mit speziellen Brillen und Kopfhörern, die eine Demenz simulierten, galt es, einen kleinen Parcours zu bewältigen. Viele merkten schnell: Ohne die Unterstützung wäre so mancher Stolperer nicht zu verhindern gewesen. Ein anderes Erlebnis forderte Geduld und Koordination: Einen Teller via Spiegelbild füllen. An sich eine simple Aufgabe, die sich für viele Gäste als überraschend knifflig erwies. Diese Erlebnisse öffneten Augen und Herzen gleichermassen.
Rundgänge durchs WohnheimGeführte Touren durch das Haus gaben detaillierte Einblicke in den Alltag der Stiftung Waldheim. Dabei wurde sichtbar, wie die Klientinnen und Klienten gemeinsam mit dem Fachpersonal gemeinsame Lösungen finden, um die kleinen und grossen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Ob individuelle Betreuung, kreative Freizeitangebote oder der liebevolle Umgang im täglichen Miteinander: Das Team des Wohnheims Sonne zeigte eindrucksvoll, dass hier eine Heimat gepflegt wird, in der Vielfalt gelebt wird.
Ein Fest des MiteinandersNatürlich kam auch das Geniessen nicht zu kurz: Musikalische Darbietungen sorgten für Stimmung, die kulinarischen Angebote luden zum Verweilen ein und überall entwickelte sich das, worum es der Stiftung Waldheim an diesem Tag vor allem ging: Begegnung. Menschen kamen ins Gespräch, tauschten Perspektiven und gewannen frische Erkenntnisse.
Dank an alle GästeAm Ende blieb ein Gefühl, das viele mit nach Hause nahmen: Verständnis wächst durch Nähe. Der Tag der offenen Tür hat dazu beigetragen, die Lebenswelten von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung ein Stück näher zusammenzubringen.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Besucherinnen und Besuchern. Sie haben mit Ihrer Offenheit, Ihrem Interesse und Ihrem aktiven Mittun diesen sonnigen Tag zu einem besonderen Erlebnis gemacht. Bis zum nächsten Mal ...
Damit unsere Angebote langfristig wirken und für möglichst viele Menschen zugänglich sind, bauen wir auf verschiedene Finanzierungswege und starke Partnerschaften. Ob durch öffentliche Träger, private Unterstützung oder institutionelle Zusammenarbeit: Gemeinsam schaffen wir die Grundlage für nachhaltige Begleitung, individuelle Förderung und echte Teilhabe.Die Angebote des Reithofs Rüti werden durch verschiedene Trägerschaften und Finanzierungsmodelle ermöglicht. Je nach Bedarf und Angebot erfolgt die Finanzierung:
Eine enge Zusammenarbeit mit Partnerinstitutionen ist uns wichtig. So schaffen wir verlässliche Übergänge und fördern eine ganzheitliche Begleitung. Wir sind vernetzt mit:
Am Reithof Rüti bieten wir ein vielfältiges Angebot an Reittherapie, Reitunterricht und Kinderangeboten – individuell abgestimmt und fachlich begleitet. Unsere Reitanlage umfasst einen grosszügigen Aussenplatz (20 x 47 m) sowie eine gut geschützte Reithalle (12 x 25 m) – ideale Voraussetzungen für Unterricht, Therapie und tiergestützte Begegnung bei jedem Wetter. Hier finden Sie eine Übersicht über unsere aktuellen Tarife und Leistungen.
Reittherapie EMR-anerkannt
Die Therapielektionen werden individuell den Bedürfnissen der einzelnen Reitgäste angepasst. Sie können sowohl auf der Reitanlage, als auch im Gelände als Ausritt stattfinden. *Einzellektionen mit Fachassistenz
Reitunterricht Erwachsene
Gemeinsam die «Faszination Pferd» erleben: Dieses Angebot richtet sich an Gruppen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, die regelmässig mit unseren Pferden in Kontakt kommen möchten. Der Fokus liegt auf dem gemeinsamen Erleben, Staunen und Begegnen – ob bei der Pflege, beim Beobachten oder bei kleinen Mitmachaktionen rund ums Pferd.
Der erste Kontakt mit dem Pferd kann viel bewirken. Besonders für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder anfänglicher Unsicherheit im Umgang mit dem Tier. In einem geschützten Rahmen ermöglichen wir erste Erfahrungen, bei denen Vertrauen, Kommunikation und emotionales Wohlbefinden im Mittelpunkt stehen.
Lern- und Entwicklungseffekte zeigen sich beim Führen, bei der Pflege, in der Bodenarbeit oder im gemeinsamen Erleben des Stallalltags. Die achtsame Begegnung mit dem Pferd stärkt das Selbstvertrauen und eröffnet neue Zugänge zu sich selbst und anderen.
Der Reithof Rüti steht allen offen, die Freude an Pferden haben, unabhängig von Alter oder Erfahrung. Besonders beliebt sind die Reitstunden bei Kindern, Jugendlichen und abenteuerlustigen Erwachsenen, die das Reiten von Grund auf lernen oder sich weiterentwickeln möchten.
Im Zentrum steht der respektvolle Umgang mit dem Tier. Neben der klassischen Reitausbildung sammeln die Teilnehmenden auch Erfahrungen in Pflege, Bodenarbeit und Stallalltag. Dabei entsteht eine ganzheitliche Verbindung zwischen Mensch und Pferd.
Aufregung, Vorfreude - und dann dieser magische Moment, wenn das Flugzeug abhebt. Kürzlich wurde für mehrere Klientinnen und Klienten ein besonderer Traum wahr: einmal über den Wolken sein, die Welt von oben sehen und grenzenlose Freiheit spüren.
Gemeinsam mit dem Verein «Lufttraum», der die Flüge durchführte, hat die Stiftung Waldheim dank vielseitiger Unterstützung diesen unvergesslichen Tag durchführen können. Und er zeigte einmal mehr, was für uns zentral ist: Teilhabe. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, besondere Momente erleben zu können. Alle dürfen dabei sein. Jeder Mensch gehört dazu. Denn Heimat bedeutet auch, Wünsche ernst nehmen und Erlebnisse schaffen, die lange in Erinnerung bleiben. Ein grosses Dankeschön an alle, die zu diesem grossen Erlebnis beigetragen haben.